Was passiert eigentlich im Vorfeld eines Ultratrails?

Das wird wahrscheinlich jeder anders organisieren. Da ich am Montag nach England auf Montage muss und dann am Freitag von Manchester direkt zum Trailrun nach Innsbruck fliege muss ich dieses Wochenende schon packen. Und da ich morgen noch nen „lockeren Marathon“ im Taunus laufe, muss ich heute schon packen 🙂 . Da kam ich auf die Idee, das ganze mal in Wort und Bild festzuhalten. Im folgenden schildere ich einmal wie sowas bei mir ablĂ€uft und was man so alles im „HandgepĂ€ck“ dabei hat.

NĂ€chsten Samstag laufe ich beim „Innsbruck Alpine Trailrun Festival“ den K85. Wenn ich auch manchmal vieles als „Lockere Runde“ bezeichne, der K85 wird das bestimmt nicht. Das wird der erste harte Brocken in diesem Jahr. 85 Km durch die Innsbrucker Alpen mit ĂŒber 3600 Höhenmetern. Sowas lĂ€uft man mal nicht einfach so aus der HĂŒfte heraus. Dazu braucht es schon ein paar organisatorische Vorbereitungen. Einiges ist vom Veranstalter vorgegeben und entsprechend strikt einzuhalten. anderes hat man sich abgeschaut, erlesen oder einfach ausprobiert.

Die Strecke

Die Strecke gibt es eigentlich immer als GPX-Datei beim Veranstalter. Ebenso das Höhenprofil und eine Tabelle mit den Verpflegungsstationen und Cut-Off-zeiten. Die GPX Datei lade ich mir ins Portal meines Uhrenherstellers (bei mir Suunto). Anschließend schaue ich mir noch die Standorte der Verpflegungspunkte (VPs) an und trage die auch noch in die Strecke ein. Bei lĂ€ngeren Strecken macht es Sinn, die Strecke in mehreren Teilstrecken auf die Uhr zu laden um so die Anzeigegenauigkeit zu erhöhen. Wenn man sich schon frĂŒhzeitig mit der Strecke befasst, sollte man auf jeden Fall nochmals einen neuen Download der GPX ein paar Tage vor Laufbeginn machen. Eventuell gab es kurzfristig eine StreckenĂ€nderung oder VPs haben sich geĂ€ndert. Alles ist möglich. Sei gut vorbereitet!
Die Tabelle mit den VPs und den Cut-Off-Zeiten drucke ich mir auch immer noch aus und klebe die spĂ€ter wasserdicht auf die RĂŒckseite meiner Startnummer.
Dann befasse ich mich auch am Rechner ĂŒber Outdoor-Kartenportale mit der Strecke. Ich benutze dazu „outdooractive“. Dort „laufe“ ich die Strecke schon mal virtuell ab, schalte auch mal von Kartengrafik auf Satelliten-Image um und versuche mir Eigenarten der Strecke einzuprĂ€gen.
Das Höhenprofil ist wichtig, da es entscheidend zur Auswahl der AusrĂŒstung beitrĂ€gt. Wie sind die Anstiege? Kann ich vielleicht spezielle AusrĂŒstung erst spĂ€ter an einem VP zu mir nehmen? Und in den Alpen sehr wichtig: Wie hoch werde ich laufen? Im aktuellen Fall laufe ich ĂŒber die Mutterer Alm als höchsten Punkt. Also brauche ich unbedingt auch die Wettervorhersage davon. Das Wetter von Innsbruck nĂŒtzt mir nix, da bin ich ja nur bei Start und Ziel. Also muss man sich die Wettervorhersage von verschiedenen Punkten der Strecke anschauen, speichern und wichtig!!! Kurz vor Rennbeginn nochmals anschauen und gegebenenfalls die AusrĂŒstung ĂŒberprĂŒfen.

Die AusrĂŒstung

Viele LĂ€ufer (die Profis sowieso) laufen so minimalistisch wie nur möglich. Ich habe aber lieber ein Hemd mehr im Rucksack, als das ich nass geschwitzt auf einem windigen Alpenpass stehe und mir den Tod hole.Als erstes muss man sich einmal die Liste des Veranstalters mit der PflichtausrĂŒstung anschauen. Ich weiß nicht wie andere LĂ€ufer das handhaben, ich schaue auch nicht in deren RucksĂ€cke, aber ich halte mich einfach an diese Liste und habe einfach alles dabei. Da braucht man auch nicht herum diskutieren oder sich Gedanken ĂŒber Sinn und Unsinn der GegenstĂ€nde auf der Liste machen. „Eurer Rennen, eure Regeln“. Punkt! Wenn’s mir nicht passt, bleibe ich daheim.
Die PflichtausrĂŒstung wird bei einigen Rennen auch kontrolliert. Zum Teil auch wĂ€hrend dem Rennen an den VPs damit nicht nach  der Kontrolle vor dem Start der Ballast in die nĂ€chste Tonne geworfen wird. Schlussendlich dient aber eigentlich alles nur unserer Sicherheit. Ein Lauf in den Alpen macht unheimlich Spaß kann aber auch sehr schnell eine ernste Angelegenheit werden. Das Wetter kann sich schlagartig und unvorhergesehen Ă€ndern. Da sollte man dann schon eine gute! Regen/Windjacke dabei haben. Ein Sturz ist schnell passiert, gerade bei langen Ultras wo irgendwann die Aufmerksamkeit nachlĂ€sst deshalb sollten Rettungsdecke, Trillerpfeife und Mullbinden eigentlich auch immer dabei sein. Das Zeug wiegt ja auch nicht viel.

Hier auf dem Bild sieht man mal die AusrĂŒstung die ich ebenzusammen gepackt habe.

  • Ein Satz Laufklamotten
  • Laufschuhe
  • Rucksack
  • Trinkblase
  • Rettungsdecke
  • Blasenpflaster
  • 500 Kcal Nahrung
  • Lange Hose
  • Langes Shirt
  • Goretex-Jacke
  • PowerBank
  • Ladekabel Handy und Uhr
  • Stirnlampe
  • Ersatzbatterie
  • Handschuhe
  • Stöcke
  • Sonnenbrille
  • Sonnencreme
  • HĂŒftgĂŒrtel
  • Schneeketten
  • Trinkbecher
  • StartnummerngĂŒrtel
  • DĂŒnne fingerlose Handschuhe (Sonnenschutz)
  • SchlauchtĂŒcher

Laufschuhe: Wie lange ist die Strecke, welches Terrain, welches Höhenprofil?

Rucksack: Korrekt dimensioniert. Wenn der zu groß ist wackelt alles da drin herum. Das lĂ€sst sich nicht laufen.

Bei der Regenjacke ist bei alpinen LĂ€ufen sehr oft die Mindestanforderung genau vorgeschrieben. Hier mal ein Auszug der PflichtausrĂŒstung nur ĂŒber die Jacke beim UTMB
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Jacke mit Kapuze fĂŒr Schlechtwetter im Gebirge, die mit einer wasserundurchlĂ€ssigen Membran* ausgestattet ist und atmungsaktiv** ist (Beispiel Outdry)
*mindestens 10 000 Schmerber werden empfohlen
**empfohlenes RET unter 13
– Die Jacke muss unbedingt eine integrierte oder an der Jacke befestigte Kapuze besitzen (vom Hersteller so vorgesehen).
– Die NĂ€hte mĂŒssen verschweißt sein.
– Die Jacke darf keine wasserdurchlĂ€ssigen Teile aufweisen, bis auf die vom Hersteller vorgesehenen LĂŒftungsöffnungen (unter den Achseln, am RĂŒcken), solange diese nicht eindeutig die WasserundurchlĂ€ssigkeit beeintrĂ€chtigen.
Es liegt in der Verantwortung des LĂ€ufers sicherzustellen, dass seine Jacke gemĂ€ĂŸ den angefĂŒhrten Kriterien den Regeln entspricht und somit Schlechtwetter in den Bergen standhĂ€lt, wobei es allerdings im Fall einer Kontrolle dem Laufkommissar obliegt, dies zu beurteilen.
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Daran sieht man schon, dass man mit ’ner Jacke aus dem Lidl nicht soweit kommt. Stellenweise muss man da richtig Geld in AusrĂŒstung investieren. Aber außer den Schuhen hĂ€lt das Zeug ja dann auch ne halbe Ewigkeit.

Das Handy muss immer betriebsbereit sein, damit die Rennleitung einen erreichen kann.

Bei der Stirnlampe muss man abwÀgen wie lange man in der Dunkelheit lÀuft und entsprechend Ersatzbatterien mitnehmen. Oft habe ich auch noch eine minimalistische Ersatzlampe dabei. Wenn einem mitten in der Nacht auf dem Trail die Lampe ausgeht, ist Feierabend. Dann macht man nix mehr bis zur MorgendÀmmerung.

Ein Trinkbecher aus dĂŒnnem weichen Gummi wird auch oft verlangt da aus UmweltschutzgrĂŒnden immer mehr auf Einwegbecher an den VPs verzichtet wird. Als TrinkgefĂ€ĂŸ tut es auch eine aufgeschnittene Capri-Sonne TĂŒte. Geht bei den meisten Kontrolleuren durch 🙂 .

Bei meinem aktuellen Lauf nÀchste Woche sind Schneeketten noch nicht vorgeschrieben aber empfohlen. Je nach Wetterlage kann sich das Àndern. Durch die Hitze der letzten Tage kann ich die Dinger vielleicht im Koffer lassen. Das wird dann kurzfristig nach dem Streckenbriefing entschieden ob ich die einpacke.

Der Dropbag

Bei den langen LĂ€ufen gibt es meist ein oder zwei Stationen wo ein Kleidersack mit zusĂ€tzlicher AusrĂŒstung deponiert werden kann. Wenn man bei einem 200 km Lauf nach 100 km  einmal einen komplett neuen Satz Laufklamotten wechseln kann, ist das wie neu geboren. Ich habe immer noch ne zusĂ€tzliche Power-Bank, ne Stirnlampe, ein paar Kalorien und anderen Kleinkram im Dropbag.

Eventuell habe ich auch im Dropbag meine Stöcke deponiert und benutze die nur in der zweiten HĂ€lfte des Rennens. Das kommt wiederum auf die Tagesform und auf das Höhenprofil an. Der richtige Inhalt des Dropbag ist auf jeden Fall ein wichtiger Faktor bei der Rennstrategie je lĂ€nger die Rennen werden. Beim Lauf in der nĂ€chsten Woche hab ich entsprechend auch einen Dropbag gepackt, aber weil es „nur“ 85 km sind, kann es gut sein das ich ihn gar nicht nutze. Der Dropbag wird anschließend wieder zum Ziel transportiert, egal was man daraus benötigt hat.

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